Norwegen und Nordeuropa

Postschiffroute Bergen-Kirkenes: Ablauf, Häfen und Reisezeit

Rund drei Dutzend Häfen zwischen Bergen und Kirkenes: wie die Küstenroute abläuft, welche Richtung sich lohnt und wann Sie fahren sollten.

Die Postschiffroute verbindet Bergen im Westen Norwegens mit Kirkenes im äußersten Nordosten, nahe der Grenze zu Russland. Die Schiffe fahren täglich, in Nordrichtung dauert die Fahrt rund sechs bis sieben Tage, die komplette Rundreise rund zwölf Tage mit etwa drei Dutzend Häfen. Anders als eine klassische Kreuzfahrt ist das Postschiff ein Linienverkehr: Es nimmt Fracht und Einheimische mit, hält oft nur kurz und fährt auch nachts in die Häfen.

Dieser Ratgeber erklärt, wie die Reise abläuft, welche Häfen besonders sind und wann sich welche Jahreszeit lohnt. Wie sich das Postschiff in das gesamte Fahrgebiet einfügt, steht auf der Seite zu Norwegen und Nordeuropa.

So läuft die Reise ab

Die Abfahrt in Bergen ist am Abend. In den folgenden Tagen folgt das Schiff der Küste nach Norden, durch Sunde, zwischen Inseln hindurch und über einige offene Abschnitte. Der Fahrplan ist eng getaktet: In großen Städten wie Trondheim oder Tromsø bleibt das Schiff mehrere Stunden, in kleinen Orten oft nur eine Viertelstunde, gerade lange genug, um Paletten, Post und Passagiere umzuladen.

Für Sie bedeutet das zwei Arten von Landgang:

  • Längere Liegezeiten in den Städten reichen für einen Stadtbummel oder einen kurzen Ausflug.
  • Kurze Stopps in kleinen Häfen erleben Sie meist von Deck aus oder mit einem schnellen Schritt an Land. Wer sich zu weit entfernt, riskiert, dass das Schiff ohne ihn ablegt.

Daneben bieten die Anbieter Landausflüge an, bei denen Sie das Schiff in einem Hafen verlassen und es einige Stunden später in einem anderen wieder erreichen. Die Route bleibt so in Bewegung, während Sie an Land unterwegs sind.

In Kirkenes wendet das Schiff und fährt nach kurzer Liegezeit wieder nach Süden. Die Südrichtung ist kürzer und endet in Bergen.

Nordrichtung, Südrichtung oder Rundreise?

Variante Dauer (Richtwert) Für wen
Nordrichtung Bergen-Kirkenes rund 6 bis 7 Tage Erstreisende, die mehr Zeit an Bord möchten
Südrichtung Kirkenes-Bergen rund 5 bis 6 Tage Reisende, die im Norden starten, etwa nach einem Aufenthalt in Lappland
Rundreise Bergen-Kirkenes-Bergen rund 12 Tage alle, die die ganze Küste bei Tag sehen wollen
Teilstrecke ab einer Nacht Kombination mit Bahn, Flug oder Mietwagen

Der Fahrplan ist so angelegt, dass viele Häfen, die in Nordrichtung nachts angelaufen werden, in Südrichtung bei Tageslicht an der Reihe sind. Die Rundreise ist deshalb die vollständigste Art, die Route zu erleben. Bei einer einfachen Strecke brauchen Sie einen Flug für den Hin- oder Rückweg, Kirkenes und Bergen haben beide einen Flughafen.

Die wichtigsten Häfen

Die Route hat rund drei Dutzend Anlaufhäfen. Einige davon prägen die Reise besonders:

Hafen Region Was Sie erwartet
Bergen Westnorwegen Startpunkt, Hanseviertel Bryggen (UNESCO-Welterbe)
Ålesund Westnorwegen Jugendstil-Altstadt, Aussichtspunkt Aksla
Trondheim Mittelnorwegen Nidarosdom, Altstadt mit Speicherhäusern
Bodø Nordland Tor zu den Lofoten, nördlich des Polarkreises
Stamsund und Svolvær Lofoten Fischerdörfer, Berge direkt am Meer
Stokmarknes Vesterålen Museum zur Geschichte der Postschiffe
Tromsø Troms Eismeerkathedrale, Seilbahn, Polarlicht-Ausflüge im Winter
Hammerfest Finnmark eine der nördlichsten Städte der Welt
Honningsvåg Finnmark Ausgangspunkt zum Nordkap
Vardø und Vadsø Ostfinnmark Barentssee, Küste mit arktischem Charakter
Kirkenes Ostfinnmark Wendepunkt, Grenzregion, im Winter Hundeschlitten und Schneehotel als Ausflug

Polarkreis und Trollfjord

Auf dem Weg nach Norden überquert das Schiff den Polarkreis. An der Stelle steht auf einer kleinen Insel ein Globus als Markierung, und an Bord wird die Überquerung traditionell mit einer kleinen Zeremonie gefeiert. Zwischen Lofoten und Vesterålen führt die Route durch den Raftsund, je nach Wetter und Jahreszeit mit einem Abstecher in den schmalen Trollfjord. Ob das Schiff hineinfährt, entscheidet die Schiffsführung, etwa wegen Schnee- und Steinschlaggefahr.

Fjordabstecher im Sommer

In der warmen Jahreszeit erweitern die Anbieter die Route zeitweise um Abstecher in Fjorde abseits der Linie, etwa in den Geirangerfjord oder den Hjørundfjord. Welche Fjorde in welchem Zeitraum dazugehören, ändert sich je nach Anbieter und Saison und steht im aktuellen Fahrplan.

Sommer oder Winter?

Sommer (etwa Mai bis August) Winter (etwa Oktober bis März)
Licht Mitternachtssonne nördlich des Polarkreises kurze Tage, Polarnacht im hohen Norden
Highlights grüne Küste, Fjordabstecher, Nordkap bei Mitternacht Polarlicht, verschneite Landschaft, Wintersport-Ausflüge
Wetter mild bis kühl, Regen möglich kalt, im Norden Schnee und Sturm möglich
Fahrplan stabil, Abstecher möglich wetterbedingte Verspätungen oder ausgelassene Häfen möglich
Andrang höher geringer, außer über die Feiertage

Der Herbst und das späte Frühjahr sind Mischformen: Im September und Oktober gibt es bereits Polarlicht-Chancen bei noch milderen Temperaturen, im März viel Schnee und deutlich mehr Tageslicht als im Dezember. Mehr dazu, welcher Monat zu welchem Ziel passt, steht im Ratgeber zur besten Reisezeit für Norwegen.

Leben an Bord

Die Postschiffe sind deutlich kleiner als große Kreuzfahrtschiffe. Das Bordleben ist ruhiger und stärker auf die Landschaft ausgerichtet: Panoramasalons mit großen Fenstern, Vorträge über Natur und Geschichte der Küste, Außendecks zum Fotografieren. Abendunterhaltung im Stil einer Show gibt es kaum.

  • Kabinen: von einfachen Innenkabinen bis zu Suiten. Auf einer Linienroute mit vielen Hafenanläufen hören Sie in manchen Kabinen das Anlegen und Laden.
  • Verpflegung: Mahlzeiten nach regionaler Küche, je nach Tarif mit unterschiedlichem Umfang. Die genauen Leistungen legen die Anbieter in ihren Tarifen fest.
  • Mitreisende: neben Urlaubern auch Einheimische auf kurzen Strecken. Das macht einen Teil des Charmes aus.
  • Bordsprache: Die Anbieter bedienen ein internationales Publikum. Ob es deutschsprachige Reiseleitung gibt, hängt von Termin und Tarif ab.

Wer fährt die Route?

Die Küstenroute befahren heute zwei Anbieter: Hurtigruten, dessen Name lange als Synonym für die Postschiffe stand, und Havila Kystruten, das seit einigen Jahren mit eigenen Schiffen auf der Strecke unterwegs ist. Beide fahren täglich und folgen der gleichen Grundroute. Unterschiede gibt es bei Schiffsalter, Antrieb, Ausstattung, Verpflegungsmodell und Ausflügen. Wie sich Reedereien grundsätzlich unterscheiden, zeigt der Reedereien-Vergleich.

Vor der Buchung beachten

  1. Richtung und Dauer festlegen: Rundreise, eine Richtung oder Teilstrecke.
  2. An- und Abreise planen: Bei einfachen Strecken brauchen Sie einen Flug ab oder nach Kirkenes oder Bergen. Prüfen Sie Verbindungen, bevor Sie buchen.
  3. Ausflüge früh wählen: Beliebte Winterausflüge wie Hundeschlitten oder Schneemobil sind begrenzt.
  4. Kabinenlage prüfen: Für ruhigen Schlaf eine Kabine abseits von Ladeluke und Gangway, bei Neigung zu Seekrankheit eher mittschiffs.
  5. Wetter einkalkulieren: Im Winter kann ein Hafen ausfallen oder sich die Ankunft verzögern. Planen Sie Anschlussflüge mit Puffer.
  6. Kleidung: auch im Sommer winddichte Jacke und Mütze, im Winter Thermokleidung und Schuhe mit gutem Profil.

Für wen sich das Postschiff eignet

Die Postschiffroute passt zu Reisenden, die Landschaft, Licht und Alltag an der Küste erleben wollen und auf große Bordunterhaltung verzichten können. Sie ist eine gute Wahl für alle, die Norwegen im Winter sehen möchten, denn kaum ein anderes Schiff fährt dann so weit in den Norden. Weniger geeignet ist sie für Familien mit kleinen Kindern, die Pools und Kinderclubs erwarten, und für Reisende, die in jedem Hafen viel Zeit an Land verbringen wollen. Wer beides möchte, kombiniert eine Teilstrecke mit einigen Tagen an Land, zum Beispiel in Tromsø oder auf den Lofoten.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Welche Richtung ist auf der Postschiffroute besser?

Beide haben ihren Reiz. Viele Häfen, die das Schiff in Nordrichtung nachts anläuft, passiert es in Südrichtung bei Tag und umgekehrt. Wer die ganze Küste bei Tageslicht erleben will, bucht deshalb die Rundreise. Für eine einfache Strecke wählen viele die Nordrichtung, weil sie mehr Zeit an Bord bietet und auf Kirkenes zuläuft.

Ist die Postschiffroute eine Kreuzfahrt?

Teils. Die Schiffe sind Linienschiffe, die neben Reisenden auch Fracht und Einheimische befördern, und sie halten sich an einen festen Fahrplan. Gleichzeitig bieten sie Kabinen, Restaurant, Ausflüge und ein Bordprogramm wie ein kleines Kreuzfahrtschiff. Große Shows, Casinos und Wasserrutschen gibt es nicht.

Kann ich auf dem Postschiff nur eine Teilstrecke fahren?

Ja. Weil die Schiffe im Linienverkehr fahren, lassen sich auch einzelne Abschnitte buchen, zum Beispiel von Bergen nach Trondheim oder von Tromsø nach Kirkenes. Ob Kabinen für kurze Strecken verfügbar sind und wie die Bedingungen aussehen, legen die Anbieter fest.

Welche Anbieter fahren die Postschiffroute?

Die Küstenroute wird heute von Hurtigruten und von Havila Kystruten befahren. Beide fahren nach einem gemeinsamen Grundmuster mit täglichen Abfahrten, unterscheiden sich aber bei Schiffen, Ausstattung, Verpflegung und Ausflugsprogramm.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026. Fehler entdeckt? Schreiben Sie der Redaktion.