Kanaren und Atlantik

Transatlantik-Kreuzfahrt: Ablauf, Seetage und für wen sie sich eignet

Eine Woche nur Meer: wie eine Atlantiküberquerung abläuft, was an Seetagen passiert und wer daran Freude hat.

Eine Transatlantik-Kreuzfahrt ist in den meisten Fällen eine Überführung: Reedereien verlegen ihre Schiffe im Herbst von Europa in die Karibik oder nach Nordamerika und im Frühjahr zurück. Auf der klassischen südlichen Route liegen zwischen den Kanaren oder Madeira und der ersten Karibikinsel rund sieben Seetage. In Richtung Westen wird die Uhr dabei an mehreren Abenden um eine Stunde zurückgestellt. Die Reise eignet sich für alle, die das Leben an Bord mögen und auf Häfen eine Woche lang verzichten können.

Dieser Ratgeber erklärt den Ablauf, die Routen und was Sie an Seetagen erwartet. Den Überblick über das Fahrgebiet rund um Kanaren und Madeira bietet die Seite zu Kanaren, Madeira und Atlantik.

Warum es Transatlantik-Reisen gibt

Viele Kreuzfahrtschiffe fahren im Sommer in Europa und im Winter in der Karibik. Für den Wechsel müssen sie den Atlantik überqueren, und die Reedereien verkaufen diese Fahrten als eigene Reisen. Daher kommen die festen Zeitfenster: Richtung Westen im Spätherbst, etwa Oktober und November, Richtung Osten im Frühjahr, etwa März und April.

Daneben gibt es Linienfahrten, die den Atlantik planmäßig zwischen Europa und Nordamerika überqueren. Bekanntestes Beispiel ist die Queen Mary 2 von Cunard zwischen Southampton und New York. Diese Überfahrten haben einen eigenen Charakter und werden oft als Alternative zum Flug gebucht.

Die typischen Routen

Route Verlauf Seetage am Stück (Richtwert)
Südroute Europa-Karibik Mittelmeer oder Westeuropa, Kanaren oder Madeira, Karibik rund 7
Südroute mit Zwischenstopp wie oben, mit Halt auf den Kapverden kürzere Etappen
Mittlere Route Westeuropa, Azoren, Karibik oder Florida je nach Abschnitt 4 bis 6
Nordroute Großbritannien oder Nordeuropa, teils Island und Grönland, Kanada oder USA variiert stark
Linienfahrt Southampton nach New York rund 7

Die Südroute ist am beliebtesten. Sie folgt dem Passatwind, der Richtung Westen weht, und gilt deshalb oft als vergleichsweise ruhig. Das Wetter wird von Tag zu Tag wärmer. Die Nordroute ist kühler und rauer, bietet dafür Landschaften wie Island oder die Küste Neufundlands. Sie wird seltener angeboten.

So läuft eine Überführung ab

Eine typische Reise Richtung Karibik dauert rund zwei Wochen und gliedert sich in drei Abschnitte:

  1. Europäischer Auftakt: Zwei bis vier Häfen in Spanien, Portugal, auf Madeira oder den Kanaren. Hier sehen Sie noch Städte und Inseln.
  2. Die Überquerung: Rund eine Woche auf offener See ohne Hafen. Das Schiff fährt Tag und Nacht, am Horizont ist nur Wasser zu sehen.
  3. Ankunft in der Karibik: Die erste Insel ist oft Barbados, Antigua, St. Maarten oder eine der französischen Antillen, danach folgen weitere Häfen bis zum Zielort.

Die Rückreise im Frühjahr verläuft entsprechend in umgekehrter Richtung und endet meist im Mittelmeer oder in Westeuropa.

Zeitumstellung an Bord

Auf dem Weg nach Westen durchquert das Schiff mehrere Zeitzonen. Statt eines großen Sprungs wie beim Flug wird die Uhr an mehreren Abenden um je eine Stunde zurückgestellt. Sie gewinnen also immer wieder eine Stunde Schlaf. Viele empfinden das als besonders angenehm, weil kaum Jetlag entsteht.

Auf dem Weg nach Osten ist es umgekehrt: Die Nächte werden um je eine Stunde kürzer. Das ist für manche Reisende anstrengender, besonders wenn mehrere Umstellungen kurz aufeinander folgen. Die Reederei kündigt jede Umstellung im Tagesprogramm an.

Richtung Uhrzeit Wirkung
Europa nach Karibik (Westen) mehrmals eine Stunde zurück längere Nächte, kaum Jetlag
Karibik nach Europa (Osten) mehrmals eine Stunde vor kürzere Nächte, etwas anstrengender

Was passiert an Seetagen?

Seetage sind der Kern jeder Atlantiküberquerung. Die Reedereien füllen sie mit einem dichteren Bordprogramm als auf Rundreisen:

  • Vorträge zu Seefahrt, Astronomie, Zielen in der Karibik oder Geschichte.
  • Kurse wie Tanz, Kochen, Fotografie oder Sprachen.
  • Sport und Wellness: Fitnessstudio, Laufdeck, Spa, oft zusätzliche Kurse.
  • Unterhaltung: Shows, Musik, Quiz, Kino.
  • Ruhe: Lesen an Deck, Meer beobachten, Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung.

Viele Stammgäste schätzen genau diese Tage, an denen kein Ausflug drängt. Wer zum ersten Mal mehrere Seetage am Stück erlebt, sollte sich vorher ehrlich fragen, ob ihm eine Woche ohne Landgang gefällt.

Für wen sich die Überquerung eignet

Gut geeignet für Weniger geeignet für
Menschen, die das Schiffsleben mögen Reisende, die jeden Tag neue Häfen sehen wollen
Ruhesuchende und Vielleser Familien mit kleinen Kindern, die Abwechslung an Land brauchen
Reisende mit Zeit, oft im Ruhestand Menschen, die stark zu Seekrankheit neigen
alle, die nicht über den Atlantik fliegen möchten (zumindest auf einer Strecke) Reisende mit engem Zeitbudget

Überführungen werden häufig zu einem günstigeren Preis pro Nacht angeboten als Rundreisen im selben Schiff, weil sie weniger Häfen haben und an feste Zeitfenster gebunden sind. Rechnen Sie aber den Flug für die andere Richtung mit ein, der als einfacher Langstreckenflug teurer sein kann als erwartet.

Die richtige Kabine für die Überquerung

Auf einer Rundreise verbringen viele Gäste den Tag an Land, auf einer Überquerung dagegen fast nur an Bord. Die Kabine wird deshalb wichtiger als sonst:

  • Lage: Mittschiffs und auf einem unteren Deck sind die Bewegungen des Schiffs am geringsten. Das hilft bei Dünung.
  • Balkon oder Fenster: Bei einer Woche auf See schätzen viele den Blick aufs Meer. Ein Balkon lohnt sich vor allem im zweiten Teil der Reise, wenn es wärmer wird.
  • Lärm: Kabinen direkt unter Pooldeck, Theater oder Bars können bis spät in die Nacht laut sein. Die Decksübersicht der Reederei zeigt, was über und unter Ihrer Kabine liegt.
  • Platz: Für zwei Wochen mit Kleidung für mehrere Klimazonen ist Stauraum wichtiger als auf einer kurzen Reise.

Gesundheit und Sicherheit

Während der Überquerung ist das nächste Krankenhaus an Land mehrere Tage entfernt. Die Schiffe haben ein Bordhospital mit Ärztin oder Arzt, das aber nicht alle Behandlungen leisten kann. Nehmen Sie ausreichend Medikamente für die ganze Reise mit, in der Originalverpackung und mit Reserve. Eine Auslandsreisekrankenversicherung, die auch einen Rücktransport abdeckt, ist für Reisen außerhalb der EU besonders wichtig. Klären Sie bei Vorerkrankungen vor der Buchung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob mehrere Tage auf See für Sie in Ordnung sind.

Einreise und Dokumente

Die Karibik besteht aus vielen Staaten und Gebieten mit eigenen Regeln. Endet die Reise in den USA oder läuft sie US-Gebiet an, brauchen deutsche Staatsangehörige in der Regel einen Reisepass und eine ESTA-Genehmigung. Für die übrigen Inseln genügt häufig der Reisepass, Einzelheiten nennen das Auswärtige Amt und die Reederei. Eine Übersicht, welche Karibik-Route welches Gebiet anläuft, finden Sie im Ratgeber zum Routenvergleich Karibik, Saison und Einreise im Überblick auf der Seite zur Karibik-Kreuzfahrt.

Packliste für die Überquerung

  • Kleidung für mehrere Klimazonen: Jacke und Pullover für den Start in Europa, Sommerkleidung für die Karibik.
  • Bücher, E-Reader, Hörbücher: Internet an Bord ist auf hoher See oft langsamer und teurer.
  • Mittel gegen Seekrankheit: nach Rücksprache mit Arzt oder Apotheke.
  • Kleidung für Gala-Abende, wenn die Reederei sie vorsieht. Auf Überführungen gibt es oft mehr festliche Abende als auf kurzen Reisen.
  • Sonnenschutz: Ab der Mitte der Überquerung wird die Sonne kräftig.

Kombination mit Kanaren oder Karibik

Viele Reisende verbinden die Überquerung mit einem Aufenthalt vorher oder nachher. Im Herbst bietet sich an, eine Woche auf den Kanaren anzuhängen, mehr dazu im Ratgeber zur Kanaren-Kreuzfahrt im Winter. Wer im Frühjahr zurückfährt, kann vorher eine Karibik-Rundreise auf demselben Schiff buchen und ohne Schiffswechsel nach Europa zurückkehren.

Häufige Fragen

Fragen und Antworten

Wie lange dauert eine Transatlantik-Kreuzfahrt?

Die meisten Überführungen dauern rund zwei Wochen, je nach Start- und Zielhafen auch länger. Den Kern bilden die Seetage auf dem offenen Atlantik, auf der südlichen Route zwischen Kanaren und Karibik rund eine Woche. Davor und danach laufen viele Schiffe noch Häfen in Europa und in der Karibik an.

Wird man auf einer Transatlantik-Kreuzfahrt seekrank?

Das hängt von Wetter, Route, Schiff und Ihrer Empfindlichkeit ab. Auf dem offenen Atlantik gibt es Dünung, die auch bei ruhigem Wetter spürbar sein kann. Große Schiffe mit Stabilisatoren dämpfen die Bewegung. Wer empfindlich reagiert, wählt eine Kabine mittschiffs auf einem unteren Deck und spricht vor der Reise mit Arzt oder Apotheke über Vorbeugung.

Lohnt sich eine Transatlantik-Kreuzfahrt?

Für Menschen, die gern lesen, Vorträge hören, Sport treiben und das Meer genießen, oft ja. Viele schätzen die Ruhe und die Zeitumstellung in kleinen Schritten. Wer jeden Tag einen neuen Hafen möchte oder sich auf See schnell langweilt, ist mit einer Rundreise in der Karibik oder auf den Kanaren besser bedient.

Wie komme ich nach einer Transatlantik-Kreuzfahrt zurück?

In der Regel mit dem Flugzeug. Viele Reedereien bieten Pakete mit Rückflug an. Wer frei bucht, sollte den Flug erst sicher planen, wenn Ankunftshafen und Ankunftszeit feststehen, und einen Puffer für Verspätungen einplanen. Endet die Reise in den USA, sind ESTA und Reisepass nötig.

Zuletzt überarbeitet am 26. Oktober 2026. Fehler entdeckt? Schreiben Sie der Redaktion.